Regelmässig wird die Frage gestellt, wer denn PSAgA - Materialprüfung durchführen dürfe und ob dazu ein bestimmter Kurs notwendig sei.

Dieser Abschnitt soll hierüber Klarheit verschaffen:

  • Es gibt keine präzise gesetzliche Grundlage zu diesem Thema. (Vergl. VUV Art. 32 a / 32b)
  • Entsprechend darf dies jeder, welcher das Material nach Herstellerangaben prüfen kann und über die nötige Qualifikation (ggfs. auch nach Herstellerangaben) verfügt.
    Das heisst: für jedes Produkt (Auffanggurt, Karabiner, Seil, Seilkürzer, Höhensicherungsgerät etc. muss die Wartung / Kontrolle exakt nach Gebrauchsanleitung des jeweiligen Herstellers erfolgen und muss dokumentiert sein.
  • Der PSAgA Sachkundige (Kontrolleur) muss sich bewusst sein, dass seine Kontrolle eine Verwendungsfreigabe für eine weitere Verwendungsperiode darstellt.

 

Hinweis:
Wenn der jeweilige Hersteller verlangt, dass für sein Produkt für die Wartung eine Ausbildung bei ihm absolviert werden muss (z.B. HSG) muss das respektiert werden.

Für Arbeiten mit PSAgA muss man: 

•    mindestens 18 Jahre alt sein (vergl. Art. 4 / ArG V5 & SR 822.115.2)
•    Körperlich und geistig gesund sein (Selbstdeklaration)
•    Drogen- oder Alkoholproblemfrei sein
•    Höhenangstfrei sein

In der Schweiz ist man zur Zeit für Arbeiten mit Absturzrisiken nicht der Arbeitsmedizinischen Vorsorge unterstellt.
Es sind auch keine Eignungsuntersuchung vorgeschrieben (wie z.B G41 in Deutschland)
Der Mitarbeiter ist jedoch verpflichtet, allfällige gesundheitliche Beeinträchtigungen mit dem Arbeitgeber abzusprechen, wenn dadurch seine eigene oder die Gesundheit von Dritten beim Ausführen von Arbeiten in der Höhe beeinträchtigt werden kann.

Bei Schulungen für PSAgA  wird empfohlen, die Teilnehmer eine Selbstdeklaration des eigenen Gesundheitszustands ausfüllen und unterschreiben zu lassen.

Ein Beispiel finden Sie hier.

3_03-kollektivschutz

Kollektivschutz und technische Lösungen haben klar Vorrang (z.B Fassadengerüste, Auffangnetze und Hubarbeitsbühnen.)

Die Verwendung von persönlichen Schutzausrüstungen (PSAgA) kann in Betracht gezogen werden, wenn das Anbringen von kollektiven Schutzeinrichtungen oder der Einsatz
technischer Hilfsmittel nicht möglich oder gefährlicher als die Ausführung der Arbeiten mit Anseilschutz ist. Das Argument "Gerüst ist zu teuer" berechtigt nicht dazu!

Wichtig:
Rettung ist jederzeit mit eigenen Mittel sicherzustellen

 

Hilfreiche Informationen finden Sie zu folgenden Themen:

Gerüstbau

Arbeiten auf Dächern

Holzbau

Solaranlagen

Anforderungen an Sicherheitsbauteile

Rigging




Die Arbeitsvorbereitung hat einen äusserst hohen Stellenwert bei Arbeiten mit Absturzrisiken.

AVOR

Priorisierung:

1. Kollektivschutz & technische Massnahmen
2. PSAgA
Downloadlinks Gesetze

Grundsatz Artikel
Absturzsicherungsmassnahmen ab 2m Absturzhöhe treffen
Aussnahmen: ab 3m auf Dächern, ab 3m auf mobile Leitern
BauAV 15 & 28
Fassadengerüst- und Auffangnetzpflicht ab 3m Absturzhöhe BauAV 18
Bodenöffnungen & nicht durchbruchsichere Flächen sind
jederzeit zu sichern (Eternit etc. gilt als nicht durchbruchsicher)
BauAV 17 & 35
PSA gegen Absturz ist nur zulässig, wenn:
- Kollektivschutzmassnahmen (z.B. Gerüste) und
- technische Hilfsmittel (z.B. Hubarbeitsbühnen unmöglich sind
BauAV 19
VUV 5
Arbeiten mit PSAgA dürfen nur durch nachweislich ausgebildetes
Personal ausgeführt werden --> Link
VUV 5, 8
keine Alleinarbeiten mit PSAgA VUV 8
Rettung jederzeit mit eigenen Mitteln sicherstellen BauAV 7

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BauAV     Bauarbeitenverordnung (D,F,I)
VUV         Verordnung über das Unfallversicherungsgesetz (D,F,I)
UVG        Unfallversicherungsgesetz
StGB        Strafgesetzbuch